Scheidungsrecht

«Welcher Beruf gefährdet die Ehe?»

Welcher Beruf gefährdet die Ehe – Groner Rechtsanwälte

Groner Rechtsanwälte · Scheidungsrecht

Bauer, Barkeeper, Bürokraft: Welcher Beruf gefährdet die Ehe?

Von Dipl. Ing. HTL Michael Kägi · redaktioneller Mitarbeiter Gronerlaw · Zürich

Ob eine Ehe hält, hängt von vielem ab – Persönlichkeit, Glück, Geduld. Und offenbar: vom Beruf.
Eine neue Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigt teils verblüffende Unterschiede.

Landwirte scheiden sich kaum. Barkeeper hingegen häufig. Und Reisebegleiterinnen führen die unrühmliche Rangliste mit einer Scheidungsquote von fast 43 Prozent souverän an. Was auf den ersten Blick wie eine Aneinanderreihung von Klischees wirkt, ist das Ergebnis einer sorgfältigen Datenauswertung des Bundesamts für Statistik (BFS), basierend auf der Strukturerhebung der eidgenössischen Volkszählung 2020 bis 2024 – publiziert vom Tages-Anzeiger am 9. Juni 2026.

Über 300 Berufe wurden ausgewertet. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 30,1 Prozent – also gut drei von zehn Personen, die je geheiratet haben, sind heute geschieden. Doch die Bandbreite zwischen den Berufen ist enorm.

Die Ausreisser – oben und unten

Höchste Scheidungsquoten

Tierpflegerinnen45%
Barkeeper44%
Reisebegleiterinnen43%
Regisseure / Produzentenhoch

Tiefste Scheidungsquoten

Landwirte13%
Ernährungsberaterinnen18%
Reinigungspersonal~20%
Gipser / Trockenbauer<25%

Warum der Beruf die Ehe beeinflusst

Dorian Kessler, Professor an der Berner Fachhochschule und Spezialist für Familienmodelle und Scheidungen, nennt drei zentrale Faktoren – die allesamt direkt mit dem Beruf zusammenhängen:

Faktor 1 · Arbeitsbedingungen

Schichtarbeit und Stress belasten die Beziehung

Unregelmässige Arbeitszeiten, Wochenenddienste und Pikettdienste erhöhen das Scheidungsrisiko messbar. Der Grund ist der sogenannte Spillover-Effekt: Stress im Beruf überträgt sich auf den Partner oder die Partnerin – und zermürbt die Beziehung schleichend. Betroffen sind etwa Pflegefachkräfte, Hotelpersonal und Servicekräfte in der Gastronomie.

Faktor 2 · Einkommen

Mehr Lohn, weniger Scheidungen – zumindest bei Männern

Ein höheres Einkommen reduziert finanziellen Stress – und damit auch das Trennungsrisiko. Interessant ist der Geschlechterunterschied: Bei Männern sinkt das Scheidungsrisiko nach einem Lottogewinn sogar, bei Frauen steigt es kurzfristig. Und: Wenn die Ehefrau finanziell stark vom Mann abhängig ist, sind die «Kosten» einer Scheidung für sie sehr hoch – was die Scheidungsquote senkt. Das erklärt zu einem guten Teil die bemerkenswert tiefen Quoten in der Landwirtschaft.

Faktor 3 · Soziale Dynamiken

Mehr Kontakte, mehr Optionen – und der «Oscarfluch»

In Berufen mit vielen sozialen Kontakten – etwa Barkeeper, Reiseleiter oder Filmschaffende – entstehen schlicht mehr Bekanntschaften und damit mehr «Alternativen». Eine US-Studie zeigte sogar, dass ein Oscargewinn bei Männern die Scheidungsrate erhöhte: Das mit dem Preis verbundene Prestige veränderte das soziale Umfeld und schuf neue Dynamiken – die Forscher nannten es den «Oscarfluch». Erhöhte Quoten zeigen sich auch bei Männern in typischen Frauenberufen und umgekehrt.

Was das für Sie bedeutet

Statistiken erklären Trends – aber keine Einzelschicksale. Hinter jeder Scheidung stehen Menschen, Geschichten und sehr individuelle Umstände. Was die Zahlen jedoch deutlich machen: Eine Trennung ist selten ein spontaner Entscheid, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses – beeinflusst von Stress, finanzieller Abhängigkeit und veränderten Lebensumständen.

Wer sich in einer solchen Situation befindet, sollte frühzeitig rechtliche Klarheit schaffen – über Unterhaltsansprüche, Güterrecht und den Schutz von Unternehmensbeteiligungen. Denn eines ist klar: Die juristischen Weichen werden oft lange vor der eigentlichen Scheidung gestellt.

Quelle

Balmer, D. / Vögeli, P. / Cornehls, S.: «Bauer, Barkeeperin, Bürokraft: Bei welchen Berufen eine Ehe länger hält»,
Tages-Anzeiger,
9. Juni 2026. Datenbasis: Bundesamt für Statistik (BFS), Strukturerhebung der eidgenössischen Volkszählung 2020–2024.

Persönliche Beratung

Dr. Roger Groner berät Sie diskret und kompetent – in Zürich und international.


Kontakt aufnehmen →

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert