«Die teuersten Scheidungen der Geschichte»
Groner Rechtsanwälte · Scheidungsrecht
Die teuersten Scheidungen der Geschichte
Von Dr. iur. Roger Groner · Zürich
Wenn Tech-Milliardäre heiraten, denken sie an Produktlaunches, Börsengänge und Weltmarktanteile – aber selten an Eheverträge.
Das rächt sich bisweilen mit astronomischer Präzision.
Eine Scheidung ist selten günstig. Doch während die meisten Trennungen mit zerbrochenen Möbeln und Anwaltskosten im fünfstelligen Bereich enden, operieren die Reichsten der Welt in einer anderen Dimension – der Dimension, in der ein einziger Richterspruch mehr Geld bewegt als das Bruttoinlandsprodukt mancher Länder.
Ein Blick auf die spektakulärsten Vermögenstransfers der Rechtsgeschichte – und was sie über Ehe, Recht und die Tücken fehlender Eheverträge verraten.
Die Rangliste
Bill & Melinda Gates
2021 · 27 Ehejahre
ca. USD 76 Mrd.
Als Bill und Melinda Gates im Mai 2021 nach 27 Ehejahren die Trennung bekanntgaben, war das kollektive Schlucken an den Finanzmärkten fast hörbar. Melinda French Gates erhielt eine Abfindung von rund 76 Milliarden US-Dollar – und stieg damit direkt in die Top-Liga der wohlhabendsten Frauen der Welt auf. Bis 2024 flossen allein knapp 8 Milliarden davon in ihre Stiftung Pivotal Philanthropies. Bill Gates seinerseits verabschiedete sich von seinem langjährigen Platz in den weltweiten Top 3 und rutschte dauerhaft hinter Elon Musk und Bernard Arnault zurück. Der Preis für 27 gemeinsame Jahre: eine dauerhaft veränderte Reichenliste.
Jeff Bezos & MacKenzie Scott
2019 · 25 Ehejahre
ca. USD 36–38 Mrd.
Jeff Bezos und MacKenzie Scott trennten sich 2019 nach 25 Jahren – und die Scheidung kostete ihn vorübergehend den Titel des reichsten Menschen der Welt. MacKenzie erhielt Amazon-Aktien im Wert von rund 36 bis 38 Milliarden Dollar und wurde damit mit einem Schlag zur drittreichsten Frau der Welt. Was folgte, überraschte alle: Anstatt ihr Vermögen zu horten, verschenkte sie seither über 19 Milliarden Dollar. Das Geld ist weg – der Ruf weltgeschichtlich. Jeff Bezos rettete sich durch eine diskrete Einigung: MacKenzie überliess ihm sämtliche Stimmrechte ihrer verbliebenen Aktien, was Amazons Kurs stabilisierte und Bezos‘ unternehmerische Kontrolle sicherte. Eine Scheidung als Meisterwerk stiller Diplomatie.
Alec & Jocelyn Wildenstein
1999
ca. USD 2,5 Mrd.
Die Wildenstein-Scheidung ist ein Kapitel für sich – und eine, die in der Schweizer Society noch heute für Gesprächsstoff sorgt. Der Kunsthändler Alec Wildenstein zahlte seiner Ex-Frau Jocelyn 2,5 Milliarden Dollar. Der Fall ist legendär – nicht nur wegen der Summe, sondern wegen seiner Dramatik: Alec soll Jocelyn dabei erwischt haben, wie sie in ihrer Villa mit einem russischen Cowboy ein Tête-à-tête hatte. Was folgte, war eine der lautesten Scheidungsschlachten, die New Yorker Gerichte je erlebt hatten.
Rupert & Anna Murdoch
1999
ca. USD 1,7 Mrd.
Der Medienmogul Rupert Murdoch, der Schlagzeilen sonst lieber macht als in ihnen zu erscheinen, kam 1999 nicht darum herum: Nach 31 Ehejahren mit Anna Murdoch flossen 1,7 Milliarden Dollar. Bemerkenswert: Die Scheidung wurde diskret abgewickelt – und Murdoch heiratete bereits 17 Tage danach seine neue Flamme Wendi Deng. Effizienz kennt viele Formen.
Bernie & Slavica Ecclestone
2009
ca. USD 1,0–1,2 Mrd.
Der ehemalige Formel-1-Patriarch Bernie Ecclestone war es gewohnt, schnelle Rennen zu gewinnen. Seine Scheidung von Slavica verlief allerdings weniger temporeich – und kostete ihn zwischen einer und 1,2 Milliarden Dollar. Ein Preis, der selbst für einen Mann, der jahrzehntelang die lukrativste Motorsportserie der Welt kontrolliert hatte, nicht ganz spurlos vorüberging.
Der juristische Hintergrund: Warum so viel Geld fliesst
Wer die Summen verstehen will, muss einen Blick nach Washington State werfen. Sowohl Jeff Bezos als auch Bill Gates heirateten in jenem US-Bundesstaat, der das Prinzip der Community Property kennt – auf Deutsch: Errungenschaftsgemeinschaft. Was während der Ehe erarbeitet wird, gehört beiden Partnern zu je gleichen Teilen. Kein Wenn, kein Aber.
Erschwerend kommt hinzu: Weder Bezos noch Gates besassen bei der Hochzeit einen Ehevertrag. Das ist weniger Naivität als Logik – zu Beginn ihrer Karrieren existierte das Vermögen schlicht noch nicht. Amazon war 1994 eine Buchhandlung im Keller. Microsoft war zwar schon gross, aber kein planetares Monopol. Dass aus diesen Garagen-Visionen einmal die wertvollsten Unternehmen der Welt würden, ahnte niemand – und entsprechend fehlte der rechtliche Schutz.
Rechtliche Einordnung
In der Schweiz gilt das Prinzip der Errungenschaftsbeteiligung (Art. 196 ff. ZGB) als gesetzlicher Güterstand. Während der Ehe erwirtschaftetes Vermögen wird im Scheidungsfall hälftig geteilt – eingebrachtes Vermögen und Erbschaften bleiben hingegen geschützt. Ein Ehevertrag erlaubt es, diesen Güterstand anzupassen – eine Möglichkeit, die gerade bei Unternehmern und vermögenden Personen sorgfältig geprüft werden sollte.
Das Schweizer Recht bietet hier – anders als das amerikanische Community-Property-Prinzip – mehr Gestaltungsspielraum. Wer unternehmerisch tätig ist oder über substanzielles Vermögen verfügt, sollte die güterrechtlichen Fragen idealerweise vor der Hochzeit, spätestens aber im Verlauf der Ehe klären. Ein frühzeitiges Gespräch mit einem Fachanwalt ist in diesen Fällen keine Vorsichtsmassnahme – sondern schlicht vernünftige Planung.
Fazit
Die teuersten Scheidungen der Geschichte sind mehr als spektakuläre Zahlenspiele. Sie illustrieren, wie tiefgreifend güterrechtliche Entscheidungen – oder deren Unterlassung – das Vermögen ganzer Dynastien umformen können. MacKenzie Scott wurde zur einflussreichsten Philanthropin unserer Zeit. Melinda Gates baute eine eigene globale Stiftung auf. Und Jeff Bezos verlor kurzzeitig den Titel des reichsten Menschen der Welt – nicht an einen Konkurrenten, sondern an seine eigene Scheidungsvereinbarung.
Die Moral der Geschichte? Ein Ehevertrag ist kein Misstrauensvotum gegenüber dem Partner. Er ist das, was Juristen nüchtern einen «vernünftigen Interessenausgleich» nennen – und was Milliardäre, die ihn nicht hatten, im Nachhinein als das teuerste Versäumnis ihres Lebens bezeichnen dürften.
Haben Sie Fragen zum Schweizer Scheidungsrecht?
Dr. Roger Groner berät Sie diskret und kompetent – in Zürich und international.
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